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Kleine chinesische Drachenkunde

Durch meinen Faszination für Drachen, bin ich mit der Frage konfrontiert worden, welche Bedeutung der Drache in China eigentlich hat. Das Recherchieren erwies sich als überaus interessant und vielfälltig, gibt es doch keine einheitliche Erklärung zu diesem Thema. Durch meine Recherchen im Internet habe ich folgende Aussagen und Geschichten zu einem kleinen Bruchteil zusammengefasst.


Einleitung

Drachen stehen für China. Um die unzähligen Geschichten und Legenden der chinesischen Drachen und ihre Bedeutung besser zu verstehen, ist diese kleine Drachenkunde entstanden. Natürlich umfasst sie nur einen kleinen Teil der vielseitigen Kultur des chinesischen Drachens. Ausserdem können Widersprüchlichkeiten auftreten, da in China unterschiedliche Aussagen über Drachen und Drachensymbole entstanden sind.

Eine weiteres Zusammengefasstes Dokument steht als PDF-Datei zur Verfügung.

  • Allgemeine Aussagen zu Drachen

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    • Die ältesten bekannten chinesischen Darstellungen des Drachen sind etwa 5000 Jahre alt.
    • Der Drache zählt in China zu den vier wohltuenden und Glückbringenden Wesen. Die anderen drei sind das Qilin (oftmals fälschlicherweise als Einhorn bezeichnet), der Phönix (Fenghuang) und die Schildkröte.
    • Der Drache gilt als Urahn der Menschen und ist ein Symbol für Glück, Frieden, Schutz, Schicksal, Göttlichkeit und die Macht des Kaisers.
    • Oft sieht man zwei Drachen, die voneinander abgewandt sind. Sie stehen dann sinnbildlich für die Ewigkeit.
    • Zusammen mit dem Phönix symbolisiert der Drache Langlebigkeit und Wohlstand. Ebenso galt dies als ein Zeichen für die harmonische Vereinigung von Männlichkeit und Weiblichkeit oder Yin und Yang. Demnach sind sie ein gebräuchliches Symbol für eine glückliche Ehe und verheissen Erfolg und Wohlstand. Es wurde auch als Sinnbild für den Kaiser und die Kaiserin benutzt.
    • Die dualistische Kraft des Yin und Yang wird durch zwei einander gegenüberstehende, miteinander streitende Drachen dargestellt. Dadurch symbolisieren sie die beiden entgegenstehenden und sich gegenseitig ergänzenden Kräfte. Meist stehen zwischen ihnen die Sonne und der Mond. Häufig ist der Drache mit der Drachenkugel dargesellt, die auch flammende Perle genannt wird.
    • Im Feng Shui gilt der Drache traditionell als Überbringer der Wünsche und Hoffnungen von den Menschen zum Himmel. Von dort brachte er dann den göttlichen Segen zu den Menschen zurück. Es gab eine Zeit, in der nur taoistische Priester oder der Kaiser selbst die Drachen direkt anrufen durften.
    • Drachen legen Eier. Ein Drachenei unterscheidet sich äusserlich kaum von einem Flusskiesel. Es ist etwas grösser als das Ei von einem Huhn. Es dauert tausend Jahre, bis aus dem Ei ein kleiner Drache schlüpft. Das Schlüpfen wird von Meteoritenschauer oder heftigen Gewittern begleitet. Die nächsten fünfhundert Jahre wächst der Jungdrache zu seiner richtigen Grösse heran. Manche sagen, er habe einen Karpfenkopf und einen Schlangenkörper. Er wird dann Kiao genannt. In den nächsten tausend Jahren wachsen dem Drachen dann die Gliedmassen, er bekommt seine standesgemässen Schuppen und den Bart. In den folgenden fünfhundert Jahren wachsen dann die Hörner und der Drache erlangt sein Gehör. Dann nennt man ihn Qiu Lung (虯龍) oder gehörnter Drache. Im letzten Jahrtausend seines Wachstums wachsen ihm dann Flügel und er wird erwachsen – er wird dann Ying Lung (應龍) genannt.
  • Das Äussere des chinesischen Drachens

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    Das Äussere der Drachen kann folgendermassen umschrieben werden: Kopf eines Kamels oder Büffels, Augen von Dämonen, Ohren einem Stier oder einer Kuh ähnlich, Hörner eines Hirsches, Hals einer Schlange oder Eidechse ähnlich, Füsse gleichen denen eines Tigers, Klauen eines Adlers, Schuppen ähnlich derer von Karpfen und Zähne eines Wolfs. Der Schwanz des Drachens endet meistens in einer Quaste.

    • Die zwei langen Barthaare, die bei manchen Drachen zu sehen sind, dienen als Sinnesorgane.
    • Chinesische Drachen altern und verändern je nach Alter auch ihr Aussehen. Sie können ihre Form und ihre Grösse verändern. Gelegentlich nehmen sie auch menschliche oder tierische Gestalt an, um die Erfahrung des jeweiligen Seins besser zu verstehen, oder einfach nur aus Spass. Sie sind dann nicht zu unterscheiden von normalen Menschen, solange sie nicht wünschen, entdeckt zu werden.
    • Viele chinesische Drachen werden stets mit einer Kugel dargestellt. Sie spielen damit, halten sie in den Klauen, schlucken sie hinrunter oder spucken sie aus. Einmal ist sie von Flammen umkränzt oder leuchtet von innen, und ein andermal ist sie völlig schlicht. Es gibt viele unterschiedliche Legenden über die Bedeutung dieser Kugel, die auch Drachenperle, Mondperle oder machmal Perle der Weisheit genannt wird. Sie wird bei den Taoisten auch Perle der Unsterblichkeit genannt, andere betrachten die Kugel als himmlisches Qi (dynamische Energie). Je nach Region oder Volksgruppe in China und Japan gibt es auf die Frage nach der Bedeutung eine andere Antwort.
  • Drachenarten

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    • Der gelbe Drachen wird auch der «erste Drache» genannt. Er brachte auf seinem Rücken die acht Trigramme des I-Jing und lehrte den Menschen die Schrift – er wird Huang Lung genannt (黃龍).
    • Die Himmelsdrachen Tian Lung (天龍) stützen und bewachen den Himmel und sollen taub sein (das kommt daher, dass «lung» auch «der Taube» heisst, «Tian Lung» ist dann der «himmlische Taube»). Der Begriff Himmlischer chinesischer Drache ist zudem ein Symbol für die chinesische Rasse an sich. Chinesen in aller Welt bezeichnen sich selbst als «Tik Lung Chuan Ren», was so viel wie «Nachkommenschaft des Drachen» bedeutet.
    • Die Geisterdrachen Shen Lung (神龍) steuern die Regenfälle, kontrollieren die Fluten und den Wind und gelten als stinkfaul. Um sich vor der Arbeit zu drücken, verwandelt sich der Shen Lung gerne in eine Maus und versteckt sich. Shen Lung ist auch der offizielle Neujahrsdrache, der bei den Umzügen auftaucht. Er besitzt fünf Klauen und ist knallbunt. Er gilt als Beschützer der Weisheit.
    • Die Erddrachen Ti Lung (地龍) sind Wächter über Meere, Flüsse, Seen und die Erde. Im Frühjahr und Herbst leben sie auf dem Meeresgrund in einem prachtvollen Palast. Neben der Kontrolle der Flussläufe sorgen sie für das «Ausbaggern» der Meere und kontrollieren deren Tiefe.(Die Geister- und die ­Erddrachen werden auch als Wang Lung verehrt. Wang Lung ist die Bezeichnung für die Könige der Drachen. Drachen­könige waren Herren über Leben und Tod auf Erden. Wang Lung soll der ­Legende nach in ­einem Palast auf dem Grund des Meeres leben und ­unsterblich sein. Ohne ihn wäre das Leben auf Erden nicht möglich.)
    • Die unterirdischen Drachen Fucan Lung oder Chen Lung (伏藏龍) bewachen versteckte Schätze und Bodenschätze.
    • Chien Tang ist das Oberhaupt der Drachen. Er wird unüblicherweise mit einer roten Mähne dargesellt. Der Legende nach soll er mindestens 275 Meter lang sein.
    • Fu Ts’ang sind Drachen der Unterwelt. Sie bewachen die Bodenschätze der Erde wie Edelsteine, Gold, Silber, Erz, Kohle, Öl usw.
  • Die Neun Drachenkinder

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    Der Legende nach hatte der erste chinesische Drache neun Kinder von denen jedes eine spezielle Aufgabe und die entsprechende übernatürliche Macht dafür besitzt. Entsprechend ihrer Aufgaben ist auch die Art ihrer Darstellung in Kunst und Architektur. Festgehalten wurde die Geschichte dieser Himmelssöhne im Geschichtsbuch «I-Jing». Erstmals erwähnt wurde sie vor ca. 1500 Jahren.

    BiXi

    Bi Xi ist für den Transport schwerer Dinge zuständig und wird meist in Gestalt einer Schildkröte dargestellt. Er symbolisiert Ausdauer und Stärke; schmückt Körbe, Packtaschen, Transportgefässe, aber auch die unteren Enden von Säulen. Ihm wird nachgesagt, dass er sämtliche wichtigen Plätze Chinas an ihren jetztigen Ort transportiert hat. Zudem ist er ein guter Schwimmer und sein Bild findet sich oft auf Brückenpfeilern und Torbögen. Er lebt im Wasser. Dort hat er ein schützendes Auge auf die Menschen und schützt sie vor Überschwemmungen.

     
    Bian

    Bi’an (Xian Zhang) wird häufig in der Gestalt eines Tigers dargestellt. Der Tigerdrache, steht für Gerechtigkeit, da er stets Gut von Böse zu unterscheiden vermag. Er beaufsichtigt Gerichtsverfahren und bewacht Gefängnisse.

     
    Suanni

    Suanni (Ni Jin) hat das Aussehen eines Löwen. Der sitzende Löwendrache liebt den Anblick von Feuerwerk. Kein Wuner liebt er Feuer, Hitze und Rauch. Sein Bild findet sich auf den Beinen von Weihrauchgefässen, Räucherstäbchenhalter und als Schutz vor Feuer auf den Dächern von wichtigen Gebäuden. Zudem ist er der Wächter der Palasttore.

     
    Jiaotu

    Jiaotu (Jiao Di, Tai-Do) ist der charakterstarke, verschwiegene und verlässliche Drache, weshalb er auch der Torwächter des Kaiserpalastes ist. Er befindet sich als Schutzsymbol auf Türen und Toren. Ihm wird nachgesagt, er bewahre die Bewohner vor ungebetenen Eindringlingen.

     
    D-Qiuniu

    Qiu Niu ist der musikalische der Drachenbrüder. Der kleine gelbe Schuppendrache, liebt Musik und ziert insbesondere Musikinstrumente.

     
    chiwen

    Pu Lao liebt die Nähe des Meeres. Sein Brüllen war so laut und ohrenbetäubend, dass er befürchtete, sein Gebrüll könnte die Wale erschrecken. Sein Abbild findet sich oft auf Glocken.

     
    TaoTie

    Tao Tie soll für den Reichtum und das leibliche Wohlergehen der einzelnen Haushalte Sorge tragen. Das Abbild des Wolfsdrachen findet sich vorrangig auf Essgeschirr wieder.

     
    yazi

    Ya Zi hat einen eindringlichen Schakalblick. Er ist immer ein bisschen wütend und für blutige Massaker verantwortlich. Er wird in stolzer Rüstung und mit Messern, Axt und anderen Waffen dargestellt. Der kriegerische Drachensohn findet sich auf Rüstungen, Schwertern, Messern und steht ebenso für Mut wie für Furchtlosigkeit.

     
  • Die Anzahl der Krallen

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    Bei genauerem Betrachten fällt auf, dass es in Asien Drachen mit verschiedener Anzahl von Krallen gibt. Nicht nur im Laufe der Jahrhunderte, sondern auch regional unterscheidet sich die Klauenanzahl voneinander. Ein Blick auf Japan zeigt uns, dass dort Drachen generell nur drei Krallen haben. Die leidige Frage nach dem Grund, warum dies so sei, wird natürlich sowohl in China als auch in Japan jeweils etwas selbstbezogen beantwortet. Die chinesische Variante lautet in etwa so, dass der Drache aus China käme und eben fünf Krallen hat und je weiter er nach Osten fliegt, immer mehr Krallen verlöre. So hat er in Japan nur noch drei Krallen. In Japan wird genau dasselbe gesagt, nur andersherum: Der Drache käme natürlich aus Japan und habe eben nur drei Krallen. Je weiter er nach Westen kommt, desto mehr Krallen bekäme er, so dass er in China dann schon fünf Krallenbesässe.

  • Statussymbol Drache

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    • Der chinesische Drache wird in China als Statussymbol eingesetzt. Welchen Status derjenige besitzt, der das jeweilige Drachensymbol nutzt, kann man an der Zahl der Klauen erkennen. Die fünf Klauen sind ausschliesslich dem Kaiser und seinen bevorzugten Beratern vorbehalten. Beamte der oberen Schicht durften vier Klauen verwenden und das «gemeine Volk» musste sich mit drei Klauen zufriedengeben. Zeitweise wurde die Verwendung der fünf Klauen sogar mit dem Tod bestraft. Die Erklärungen dafür fallen ganz unterschiedlich aus.
    • Als die Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) gegründet wurde, entstand eine Geschichte, die erzählt, dass Liu Bang, der erste Kaiser des Reiches, der «Sohn» des Drachen sei, weil seine Mutter ihn geboren habe, nachdem sie im Traum mit einem Drachen Geschlechtsverkehr hatte.
      Von da an waren die Kaiser eng mit dem Drachen verbunden. «Lung yan» (Miene des Drachen) und «Lung ti» (Körper des Drachen) wurden dem Kaiser gegenüber als Schmeichelei benutzt. Das Schriftzeichen «lung» (龍 = Drache) wurde den Schriftzeichen für seine Gebrauchsgegenstände vorangestellt. Seine Kleidung wurde als Lung juan (龍衣服), sein Thron als Lung zuo (龍阼), sein Bett als Lung chuang (龍床) usw. bezeichnet.
      Es soll Zeiten gegeben haben, in denen der Kaiser über die Drachen bestimmen konnte, er war zeitweilig oberster «Chef» der Drachen. Oder, um die Sache auf die Spitze zu treiben, gab es zeitweise den Glauben, dass der Kaiser die Gestalt eines Drachens annehmen konnte.
    • Eine andere Legende besagt, dass Urkaiser und Urkaiserin halb Mensch, halb Drache gewesen sein sollen. Ihre Überreste liegen der Legende nach in der Stadt Huaiyang, der Drachenstadt, begraben.
  • Die Legende der vier Flüsse Chinas

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    Vor langer Zeit war China ein Land ohne Flüsse und damit vollständig vom Regen abhängig. Im Osten befand sich das grosse östliche Meer. In diesem Meer, lebten vier Drachen, der Lange Drache, der Gelbe Drache, der schwarze Drache und der Perlendrache. Obwohl sie im Meer lebten hielten sie sich aber oft in den Wolken auf. Eines Tages spielten sie in den Wolken über dem Land, als der Perlendrache eine grosse Aufregung auf der Erde bemerkte. Er sah genauer hin und erkannte viele Menschen, die für Regen beteten, weil ihre Ernte zu vertrocknen drohte. Die Drachen fühlten sich verantwortlich für die Menschen und beschlossen, den Kaiser des Himmels um Hilfe zu bitten. Der Kaiser des Himmels lebte in seinem Palast und kümmerte sich nicht um die Menschen. Der Lange Drache bat den Kaiser, den Menschen mit Regen zu helfen. Nach dem Treffen flogen sie zurück und waren sich sicher, den Menschen geholfen zu haben. Kurze Zeit darauf hörten sie von der Erde Schreie der Verzweiflung. Der Regen, um den sie gebeten hatten, war nicht gekommen und die Menschen waren kurz vor dem Verhungern. Da sogen die Drachen so viel Wasser aus dem Meer auf, wie sie konnten, und spien es über die Erde um den Menschen zu helfen. Die Pflanzen wuchsen wieder und die Menschen waren glücklich. Ganz im Gegensatz zum Himmelskaiser, der darüber sehr wütend wurde. Er wies den Gott der Berge an, seine Berge in den Himmel zu treiben und die Drachen im Flug zu zerquetschen. Dieser gehorchte und tötete die vier Drachen. Die Körperteile und Organe der Drachen fielen zur Erde und verwandelten sich in Seen und Flüsse. Aus dem Schwarzen Drachen wurde im Norden der Amur (H’ilóng Ji’ng), der Gelbe Drache wurde zum Gelben Fluss (Hwangho) in ­Mittelchina, der Perlfluss im äussersten Süden (Perlstrom, chin. Zh’ji’ng bzw. Zhu Jiang) entstammte dem Perlendrachen und der Lange Drache wurde zum Jangtsekiang im Süden.

  • Quellenangben

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